Molekulare Entzündungsmedizin

Prof. Dr. Stefan Ehlers

 

Die Professur für Molekulare Entzündungsmedizin gewährleistet  die Rückbindung der präklinischen und klinischen Entzündungsmedizin an den Standorten des Zentrums für Entzündungsmedizin (CCIM) in Kiel und Lübeck an die anwendungsorientierte Grundlagenforschung am Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften in Borstel bei Bad Segeberg. Dies beinhaltet insbesondere die Entwicklung und Validierung neuer komplexer Modellsysteme für die Diagnostik, Therapie und Prävention von chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Der Lehrstuhlinhaber, Prof. Stefan Ehlers, ist Zentrumsdirektor am Forschungszentrum Borstel. Das FZB sieht seine  wissenschaftliche Mission in der grundlagen-, krankheits- und patientenorientierten Forschung auf dem Gebiet der Pneumologie mit den Schwerpunkten "Infektionen" und "Asthma und Allergie".

Molekulare Entzündungsmedizin beschäftigt sich mit chronischen Entzündungserkrankungen an Barriere-Organen (Lunge, Haut, Darm, Gefäßen) und versucht, einerseits organtypische Abwehrreaktionen, andererseits gemeinsame pathophysiologische Endstrecken molekular so zu definieren, dass neue Ansätze für die Diagnostik, Therapie und Prävention chronisch entzündlicher Krankheiten entwickelt werden. Neue Biomarker oder Therapieverfahren werden dann in experimentellen Modellsystemen (in vitro und, in der Maus, in vivo, aber auch in Kohortenstudien bei Patienten) validiert.

Im Zentrum des Interesses stehen  mikrobiell induzierte chronische Entzündungsreaktionen, die einerseits zur Eindämmung der Erreger-Replikation beitragen, andererseits irreparablen Gewebeschaden hervorrufen. Ein Paradebeispiel für  wechselseitig regulierten Schutz und Schaden ist die Infektionskrankheit Tuberkulose, bei der im Granulom (fokale Ansammlung von mononukleären Entzündungszellen) zwar einerseits das Wachstum des Infektionserregers begrenzt wird, es jedoch gleichzeitig zur Verdrängung gesunden Gewebes kommt und durch Einschmelzung des Granulomzentrums zum Einbruch in das Bronchialsystem und zur Ausbreitung des Erregers in die Umwelt.

Wichtige  Modellsysteme in der Maus sind hierbei die aerogene Infektion mit Mycobacterium tuberculosis und Mycobacterium avium, bei denen sich speziell in der Lunge die molekularen Mechanismen der  Induktion, Aufrechterhaltung und Regulation der Granulombildung untersuchen lassen. Bei der Analyse kommen einerseits gut charakterisierte Erregerisolate von Tuberkulose-Patienten, aber auch gezielt gentechnisch in Virulenzeigenschaften veränderte Stämme von M. tuberculosis zum Einsatz; auf der Wirtsseite untersuchen wir die Barrierefunktion der Lunge, aber auch die Regulation der Immunantwort unter Einsatz transgener Mäuse. Ein bedeutender Teilaspekt ist die funktionelle Genomik, in deren Rahmen Suszeptibilität gegenüber Tuberkulose vermittelnde Gene in ihrer pathogenetischen Bedeutung und in ihrer Tauglichkeit als  Biomarker für Krankheitsverschlimmerung bzw. Heilung evaluiert werden. vermittelnde Gene in ihrer pathogenetischen Bedeutung und in ihrer Tauglichkeit als  Biomarker für Krankheitsverschlimmerung bzw. Heilung evaluiert werden.

 

 

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